Circusfamilie

Circus Conelli – Die Geschichte
eines Originals

Vom Circustraum zum Traumcircus!
Das Erfolgsunternehmen Circus Conelli hat 1982 auf dem Zürcher Sechseläutenplatz seine Premiere gefeiert. Seit 1992 steht das rote Chapiteau mit den funkelnden Sternen Jahr für Jahr auf dem Bauschänzli. Der Circusartist Konrad („Koneli“) Gasser hatte ursprünglich die „verrückte“ Idee, mitten in der kalten Jahreszeit ein Circuszelt aufzustellen und ein Weihnachtsprogramm zu zeigen. Aus dieser Idee wurde aber vorerst nichts. 

Als Konrad (Conny) Gasser am Pfingstmontag 1938 im Circuswagen zur Welt kam, gastierte sein elterlicher Circus Royal im Zürcher Oberländer Dorf Dürnten. Gross war die Aufregung damals, denn Conny kam während der Nachmittagsvorstellung zur Welt. Der Sohn von Helene und Ludwig Gasser-Stey wurde ein erfolgreicher Artist, zusammen mit seiner Frau, der Hamburger Trapezkünstlerin Gerda Hernaiz, die er 1957 in Zürich heiratete.

Kein Weihnachtscircus bei Eis und Schnee
Um 1965 wars. Da hätte Conny Gasser etwas Neues wagen und den Circus Royal mitten im Winter auf dem Zürcher Milchbuck aufstellen wollen. Für seinen Vater war das eine „verrückte“ Idee: „Das kommt doch nicht in Frage! Ein Weihnachtscircus im Zelt, bei Schnee und Eis, das geht doch nicht. Und das finanzielle Risiko wäre viel zu gross.“ Aus war der Weihnachtstraum für den jungen und innovativen Conny – zumindest vorerst. Aber er hatte ja noch andere Ideen. 

Fast 20 Jahre verstrichen, bis das Projekt „Weihnachtscircus in Zürich“ wieder aktuell wurde. Im Februar 1982 sorgte Hazy Osterwalds Orchester- und Artistenagent Joe Bürli dafür, dass sein Schulkollege Herbi Lips am TCS-Ball in Zürich Conny Gasser treffen konnte. Gasser hatte mit seiner Frau Gerda, nach den grossen Circuserfolgen in aller Welt, kurz zuvor den Freizeitpark Conny-Land im thurgauischen Lipperswil eröffnet. Lips war Inhaber der Temporärfirmen Ecco, Einsatz und m-ploy und Joe Bürli hatte 25 Jahre lang die legendären Comedian Harmonics geleitet und war nun Inhaber der Künstleragentur Viston. Die drei, die im Kongresshaus am gleichen Tisch sassen, beschlossen spontan, einen Weihnachtscircus zu gründen: den „Circus Koneli“, wie sie ihr Projekt untereinander nannten, aus dem dann der Circus Conelli wurde. Bis es so weit war, mussten aber noch sehr hohe Hürden bewältigt werden. Die grösste war, den ersten Weihnachtscircus der Schweiz im Dezember auf dem Sechseläutenplatz, auf Zürichs „heiligster“ Wiese, aufstellen zu dürfen.

Steiniger Weg von Amtsstelle zu Amtsstelle
Conny Gasser und Herbi Lips mussten von Amtsstelle zu Amtsstelle, von Pontius zu Pilatus, „weibeln“, und immer wieder wurden sie abgewimmelt. Zur Bewilligung für den Sechseläutenplatz meinte der damalige Chef des Gartenbauamts allen Ernstes: „Nur über meine Leiche!“. Im „Muraltengut“, dem herrschaftlichen städtischen Landgut in Zürich-Enge, trafen sich dann 15 Personen auf Einladung der Stadt zu einer langen Sitzung, die den Weg für das winterliche Circusprojekt schliesslich doch noch ebnete.

Am 16. Juni 1982 teilte Stadtpräsident Thomas Wagner der Öffentlichkeit mit, dass der „Circustraum Conelli“ im Dezember auf der Sechseläutenwiese sein Zelt aufschlagen dürfe. Wörtlich hiess es im Papier aus dem Stadthaus:  „Die Präsidialabteilung und weitere städtische Dienststellen unterstützen das Vorhaben gerne, ist es doch als besonders erfreulich zu werten, dass private Initiative die Durchführung einer Veranstaltung möglich macht, welche, wie ich hoffe, vielen Tausenden von Zürchern Freude bereiten soll.“ Doch nicht nur von Stadtpräsident Thomas Wagner, auch von Verkehrsdirektor Erich Gerber kam ein erfreuliches Signal zum Conelli: „Ein Stück Circus-Poesie wird in unserer Stadt während der Einkaufshektik in der Vorweihnachtszeit eine echte Bereicherung sein.“

Am 2. Dezember war Premiere auf dem Sechseläutenplatz. Frenetischen Applaus erhielten die Artistinnen und Artisten und Direktor Conny Gasser für seine Mischung aus Circus, Märchen und Traum. Als nach der letzten Vorstellung feststand, dass nicht weniger als 60 000 Personen den Conelli besucht hatten, wählte die sonst meistens trockene Schweizerische Depeschenagentur sogar die Schlagzeile: „Der Winterzirkus schlug wie eine Bombe ein.“

Conelli hinter Kaserne versteckt
Nach der grossen Begeisterung, die der „Circustraum“ ausgelöst hatte, bemühten sich Gasser und Lips um eine weitere Bewilligung für den Sechseläutenplatz. Vergeblich! Zwei Circusse pro Jahr würden zugelassen, einer im Frühling und einer nach den Sommerferien, hiess es im Stadthaus. Im Dezember aber bleibe die Wiese gesperrt. Die Enttäuschung war gross.

1988 zeigte Conelli während des Dezembers im Einkaufszentrum Letzipark ein Kurzprogramm. Für Gasser war es ein neuer Anlauf: „In einem Jahr werden wir auf jeden Fall wieder im Zelt spielen, und das am liebsten auf der Sechseläutenwiese“, kündigte der zielbewusste Circus-Macher an. Er konnte nicht verstehen, dass die Bewilligung nicht mehr erteilt werden sollte.

Nach dem Dezember-Gastspiel klappte es zwar 1989, aber nicht auf dem Sechseläutenplatz. Das nigelnagelneue gelb-weisse Zelt stand nun dort, wo einst Rekruten aufgetreten waren: auf dem Kasernenareal an der Militärstrasse. Der Erfolg blieb nicht aus, aber so richtig wohl war es dem Wintercircus-Enthusiasten auf dem einstigen Exerzierplatz nicht. Poesie, Träumereien und Märchenstimmung lassen sich neben einer Kaserne in der Adventszeit nicht verwirklichen, lautete seine Bilanz.

Das Bauschänzli – die geniale Idee
1990 gabs nochmals ein Zwischenspiel im Einkaufszentrum Letzigrund, und dann, 1992, überstürzten sich die Ereignisse. Mitte Oktober läutete bei Gassers das Telefon. Urs Pfister schlug seinem Freund Conny vor, den Circus Conelli auf dem Bauschänzli aufzustellen. Pfister war zu dieser Zeit Direktor der Fred Tschanz Betriebe, die das Bauschänzli in der Limmat seit Frühling 1992 von der Stadt gepachtet hatten. Gasser musste zuerst lachen: „Dort hats ja nur Bäume!“. Doch dann packte ihn der Ehrgeiz, denn er wusste es schon seit vielen Jahren: „Für den grossen Praktiker Urs Pfister gibt es nie Probleme, sondern nur Lösungen.“

Eine Stunde nach dem Telefonanruf, es war an einem Samstagabend, standen Gasser und Pfister mit einem Messband auf dem Bauschänzli. Zwar war es schon dunkel. Aber nach all den Messungen war der grosse Optimist Conny Gasser überzeugt, dass Conelli mit einem Circuszelt nach Mass auf dem Bauschänzli Platz finden würde. Und siehe da: Nach den Bemühungen und Knorzereien in den vorangegangenen Jahren geschah das Wunder. Innert nur zehn Tagen erteilten die zehn involvierten Ämter die zahlreichen Bewilligungen, und zu guter Letzt übernahm noch Stadtpräsident Josef Estermann das Patronat der Aufführungen. Conelli – einst Circustraum und jetzt Traumcircus – war offensichtlich salonfähig geworden.

Man schrieb den 28. Oktober 1992, als alle Bewilligungen vorlagen. So blieben gerade noch fünf Wochen bis zur Premiere am 3. Dezember, um in Italien ein spezielles Zelt – mit den Aussparungen für zwei Bäume – anfertigen zu lassen und ein komplettes Programm aus dem Boden zu stampfen. Ohne Fax, das in der Schweiz und in Italien heisslief, wäre es gar nicht möglich gewesen, innert so kurzer Zeit ein massgeschneidertes Circuszelt zu produzieren.

Einen schöneren Ort gibt es nicht
Das hochkarätige Programm löste einen Sturm der Begeisterung aus – obwohl es während der Premiere regnete und einige Besucher im Zelt ab und zu den Schirm aufspannen mussten. Das liegt nun schon weit zurück. In der Zwischenzeit hat Conelli auf dem Bauschänzli bereits 24 Weltklasse-Programme gezeigt. Von Jahr zu Jahr ist das Unternehmen dabei immer schöner und perfekter geworden. Seit 1999 wird ein Zelt aufgestellt, in dem auf allen 900 Plätzen die freie Sicht auf die Manege gewährleistet ist: Im Conelli stehen keine störenden Masten mehr, weder im Hauptzelt noch im Vorzelt. Diese moderne Chapiteau-Konstruktion hat sich in jeder Beziehung bewährt – auch am Stephanstag 1999, als der gewaltige Sturm Lothar über Zürich hinwegfegte und vielerorts grosse Schäden anrichtete.
Schon ein Jahr nach der ersten Bauschänzli-Premiere erklärte Conny Gasser: „Dem Sechseläutenplatz trauern wir nicht mehr nach.“ Der Platz sei zwar klein, einen schöneren Ort mitten in der Stadt gebe es aber nicht. Dass ein Circus auf der Mini-Insel überhaupt Platz hat, ist auch noch heute immer wieder ein Thema. Im Sommer, wenn die Bauschänzli-Bäume voll im Laub stehen, ist es kaum zu glauben, dass einer der letzten Überreste der barocken Stadtbefestigung im Winter ein Circusplatz ist. Eine verblüffte Conelli-Besucherin hat es auf den Punkt gebracht: „Und das alles uf dem Bitzeli Buuschänzli!“.

Conelli gehört zum Bild der Stadt
Unvorstellbar ist heute ein Bauschänzli im Winter ohne Conelli. Es würde wohl wie einst still vor sich hinträumen und warten, bis im Frühling wieder die ersten Gäste das Inselrestaurant bevölkern. Aus dem Bild der Stadt ist der Circus nicht mehr wegzudenken. Es gibt seit Jahren Leute, die den Circus nicht nur mehrmals besuchen, sondern mit ihren Gästen gerne auch über die Quaibrücke gehen oder fahren, um ihnen den Märchencircus in der Limmat zu zeigen. Conelli ist einmalig: Es gibt ihn nur in Zürich und nur während sechs Wochen im Jahr.

Der steinige Weg zur Anerkennung
Ab 1992, dem ersten Gastspiel auf dem Bauschänzli, übernahm Stadtpräsident Josef Estermann das Patronat für den Circus Conelli, und er schrieb im Programmheft das Grusswort – wie auch seine Nachfolger: ab 2002 Elmar Ledergerber und seit 2009 Corine Mauch. „Shakespeare kennt ein Wintermärchen, Heinrich Heine kennt ein Wintermärchen – und seit der Circus Conelli auf dem Bauschänzli gastiert, kennt auch Zürich ein Wintermärchen“, schrieb Estermann 1996 in seinem Grusswort. Ein Jahr später gabs vom Stadtpräsidenten wieder ein Kompliment: „Der Circus Conelli ist zum immerwährenden Fixstern der Limmatstadt geworden. Dafür gebührt seinen Schöpfern ein ebenso anhaltender Dank. Dem Publikum sei gewünscht, dass es unter diesem guten Stern in das Zelt der Magie eintrete, um sich von ganzem Herzen verzaubern zu lassen.“ 1998 steigerte sich Estermann noch: „Der Circus Conelli gehört zu Zürich wie die Löwen zum Stadtwappen“.

Ein Zürcher Kulturgut
Was Conny Gasser sich schon lange erhofft hatte, wurde Realität: Im Grusswort von 2003 schrieb Ledergerber zwar noch nicht, dass der Circus Conelli ein zürcherisches Kulturgut sei; er bezeichnete ihn erst als Fixstern am kulturellen Himmelszelt der Limmatstadt. Als er dann aber an der Premiere die Gäste begrüsste – der Stadtrat war damals mit nicht weniger als sechs von neun Mitgliedern vertreten – erklärte Ledergerber den Circus Conelli zum „typischen zürcherischen Kulturgut“.

Es gebe, sagte der Stadtpräsident, eine Reihe von Dingen, die zur unverwechselbaren Identität der Stadt Zürich beitrügen, zum Beispiel das Sechseläuten, das Knabenschiessen, das Grossmünster, der See und die Limmat. Nach den elf Jahren auf dem Bauschänzli gehöre auch der Weihnachtscircus zu den typischen zürcherischen Kulturgütern. „Zwar werden wir den Conelli nicht unter Denkmalschutz stellen. Aber wir lieben ihn alle“, erklärte Ledergerber. „Das ist ein wunderschönes Kompliment für unseren Weihnachtscircus“, freute sich Gründer Gasser.

2005 honorierte auch die Show Szene Schweiz die Conelli-Macher und verlieh ihnen den Ehren-Prix Walo. Mit diesem Preis, der seit 1983 vergeben wird, ehrt die Show Szene Schweiz ausserordentliche Verdienste im und um das Schweizer Showbusiness und zeichnet langjährige, glanzvolle Karrieren aus. 

Jedes Programm eine Herausforderung
Wenn die Conelli-Circuswagen jeweils Anfang Januar ins Winterquartier im Freizeitpark Conny-Land zurückgekehrt waren, gab es für Conny Gasser keine Pause. Der Circus begleitete ihn auch das Jahr hindurch. Zelte und Anlagen waren instand zu stellen, und es mussten wieder Artisten, Musikstücke und Kostüme gesucht werden. Schon sehr lange hat Conelli in der Circuswelt einen ausgezeichneten Namen. Für viele Topartisten ist es eine Ehre, für den Weihnachtcircus auf dem Bauschänzli einen Vertrag zu bekommen. Nur auf Angebote zu warten und Videos und DVDs von Artisten abzuspielen, genügt aber nicht. Wichtig sind auch ständige Kontakte zu Artisten, die man engagieren möchte, und zu Circusdirektoren und Artistenagenturen.

Conny Gasser war viel im Ausland unterwegs – in Circussen und an Festivals. Sein Sohn Roby nicht weniger. So kann es vorkommen, dass für ein einziges Programm Nummern in Moskau, Peking, Stockholm, München, Sarasota (USA) und Frankfurt angeschaut werden. „Nochmals eine Steigerung des Programms!“ Das bekam der Circusproduzent oft zu hören, wenn er nach der Vorstellung Besucherinnen und Besucher am Ausgang verabschiedete. Jedes Programm ist eine Herausforderung, und das Publikum darf auf keinen Fall enttäuscht werden. Dazu gehört auch die Bereitschaft des Circusdirektors, für ein Programm auch mal mehr auszugeben als im Vorjahr.

Zirzensische und kulinarische Traumstunden
Der allererste Weihnachtscircus Zürichs hat Nachahmer bekommen, aber das Original hat sich souverän behaupten können – nicht nur mit seinen zirzensischen Höchstleistungen aus allen Teilen der Welt; auch die kulinarischen Traumstunden bei Conelli finden Jahr für Jahr grossen Anklang. 

Für die „Conelli-Gala“ – für Essen im Freundeskreis oder für Jahresschluss- und Weihnachtsessen – sind frühzeitige Reservationen unerlässlich. Das ungekürzte Circusprogramm und ein exquisites Essen – seit 1993 liefert die Firma Candrian Catering jedes Jahr rund 11.000 Mahlzeiten – bleiben Besucherinnen und Besuchern unvergesslich.

Im Jahr 2007 verstarb Conny Gasser inmitten des Jubiläumsgastspiels zum 25-Jährigen völlig unerwartet. Nur vier Monate später erlag seine Frau Gerda ihrem langjährigen Krebsleiden. Seither führt nun Sohn Roby (geb. 1961) den Circus Conelli weiter – unterstützt durch seine Frau Cindy Gasser-Lee. Sie choreographiert die Conelli-Dancers und hat insgesamt bereits mehrere hundert verschiedene Tanznummern kreiert. Roby Gasser hat das Circus-Handwerk von der Pike auf gelernt. Weltweit und immer wieder in Las Vegas trat er mit Seelöwen auf und wurde 1981 am Circusfestival von Monte Carlo mit dem höchsten Preis, dem Goldenen Clown, ausgezeichnet. 

Seit dem Tod seines Vaters hat Roby Gasser die Verantwortung für die Gesamtproduktion übernommen. Mit seiner grossen Erfahrung und seiner Weitsicht setzt er aussergewöhnliche Ideen um und kreiert die Programme – in Zusammenarbeit mit seiner Frau Cindy und seinem Sohn Jeremy (geb. 1996), der beim Auf- und Abbau der Zeltstadt schon wichtige Aufgaben übernommen hat und im Conelli-Programm als Musiker mit seiner Gitarre begeistert und verblüfft. Im Programm „Just Amazing“ wird Sonnyboy Jeremy Gasser allerdings nicht zu sehen und zu hören sein. Er absolviert eine berufliche Ausbildung als Elektriker. Denn wer aus einer Familie mit einem Circus und einem Freizeitpark stammt, muss ein Allrounder sein und sich auch in handwerklichen Bereichen auskennen.
Wilfried Maurer

Sponsoren und Partner

Der Circus Conelli bedankt sich bei folgenden Sponsoren und Partnern für ihr Engagement im Jahr 2021.

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